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Ilmenau: Besetzung beendet

Eintragsdatum: 2013-10-21Quelle: Antifa Arnstadt-Ilmenau

Mehr als acht Stunden war die Langewiesener Straße 17 in Ilmenau am vergangenen Samstag besetzt. Die Besetzer_innen kämpfen für sozialen Wohnraum und alternative Projekte. Nachdem die Polizei sich Stunden nur sporadisch blicken ließ, brachte sie gegen Abend ihre Schlägereinheiten in Anschlag und erzwang so die Räumung des Gebäudes. Später demonstrierten ca. 40 Besetzer_innen und Unterstützer_innen spontan durch die Innenstadt.

Als am Morgen des 19. Oktober in Ilmenau das Geschäftsleben erwachte und die ersten Leute mit ausdruckslosen Gesichtern die Langewiesener Straße Richtung Kaufland entlang trotteten, schien der Kleinstadt ein gewöhnlicher Samstag in der Südthüringer Ödnis bevorzustehen. Dass dieser Samstag allerdings für einige Aufregung sorgte, ist das Verdienst einer Gruppe von Hausbesetzer_innen, die ein leerstehendes Gebäude öffneten, begehbar machten und dort mit den Planungen und Arbeiten für sozialen Wohnraum und kulturelle Projekte begannen. Aus den Fenstern der Langewiesener Straße 17 hingen ab 9 Uhr zahlreiche Transparente, die klar machten, was sich hier abspielte. Die Tür war einladend weit geöffnet. Vor dem Gebäude sammelte sich eine Gruppe von mehr und mehr Unterstützer_innen. Es gab Kaffee, Kuchen, warmes Essen und allerlei Infomaterial, das auch an Passant_innen und Anwohner_innen verteilt oder vom Wind durch die halbe Stadt getragen wurde. Bei Sonnenschein und milden Temperaturen machte es sich eine schwarz-bunte Menge auf Teppichen und Bordsteinkanten gemütlich.

Die Polizei ließ sich das erste Mal nach mehr als einer Stunde blicken, erkundigte sich nach dem Sachstand und fuhr dann wieder weg, den Besetzer_innen viel Erfolg bei ihrem Projekt wünschend. Die Situation war kurz gesagt entspannt und unwirklich zugleich. Anstatt, wie etwa in Erfurt, sofort einen Kessel ums Gebäude zu ziehen und die Menschen vor dem und im Haus zu drangsalieren, schien die Staatsmacht gänzlich uninteressiert am Treiben der Besetzer_innen. Es entstand der Eindruck, als könnte das Gebäude zumindest über das Wochenende hinweg gehalten werden. Warum die Polizei gegen Abend umschwenkte und sich doch entschloss die heilige kapitalistische Eigentumsordnung durchzusetzen, die besagt, dass Leerstand lieber vergammeln soll als für soziale und kulturelle Projekte genutzt zu werden, wissen wir nicht. Fakt ist, dass spätestens ab 16.30 Uhr im Bereich der Polizeiinspektion etwa ein dutzend mit verbeamteten Schlägern voll beladene Wannen zusammengezogen wurden. Die Polizei baute sukzessive ein Bedrohungsszenario gegen die Besetzer_innen auf. Ab etwa 17 Uhr kam eine Delegation aus Polizeichef, Vertretern von Stadt, Ordnungsamt und Immobilienverwaltung zum Haus, um vor Ort die gesetzliche Lage zu erläutern und die Räumung anzukündigen, sollte nicht innerhalb kurzer Frist das Gebäude „freiwillig“ verlassen werden. Als Grund wurde die Sicherheit der Leute im und vorm Haus angeführt, wegen der angeblichen Baufälligkeit des Hauses und einem Schwamm im Gebälk. Dass die vermeintliche Sicherheit der Menschen dann in Konsequenz mit physischer Gewalt und ohne Rücksicht auf die körperliche Unversehrtheit der Besetzer_innen durchgesetzt werden sollte, ist nur die logische Folge der Lüge von der Baufälligkeit als Räumungsgrund. Nach kurzer Beratung entschlossen sich die Besetzer_innen dem Druck nachzugeben und den Kompromiss (ein Verhandlungsangebot seitens der Stadt) anzunehmen. Gegen 18 Uhr war das Haus geräumt und wurde von Angestellten der Stadt wieder verschlossen. Nach Auskunft der Behörden soll das Gebäude demnächst abgerissen werden. Die meisten Besetzer_innen und Unterstützer_innen kamen davon, ohne ihre Personalien abzugeben. Wer im Anschluss an die Aktion Vorladungen, Strafbefehle oder derlei erhält, den bitten wir mit der Roten Hilfe Südthüringen Kontakt aufzunehmen. Niemand soll auf den Kosten allein sitzen bleiben.

Gegen 19 Uhr versammelten sich noch einmal ca. 40 Besetzer_innen und Unterstützer_innen am Wetzlarer Platz, um gegen die Räumung und für das Anliegen, sozialen Wohnraum und Platz für kulturelle Projekte zu schaffen, spontan zu demonstrieren. Lautstark zog die Demonstration durch die Innenstadt, die in Ilmenau um diese Zeit leider so tot war, wie das alternative Kulturleben der Stadt.

Im Zuge der Besetzung solidarisierten sich nicht nur zahlreiche Anwohner_innen, sondern auch viele linke Gruppen und Projekte aus Thüringen, wie etwa die Genoss_innen vom JU.W.E.L. in Gotha oder die FAU Thüringen. Die erfahrene Solidarität, das brachte ein Vertreter der Initiative zur Abschlusskundgebung zum Ausdruck, macht Mut, weiter zu kämpfen. Besetzen fetzt!

Homepage des (geräumten) Projekts

http://long17.blogsport.eu/

Bilder











































Weitere Berichte

Ein ereignisreicher Tag in Ilmenau.

Ein er­eignisreicher Tag in Ilmenau. Vom unerwarteten „Maximales Gelingen!“, einem Hausverbot und einer Runde durch die Innenstadt.

Im südthüringischen Ilmenau wurde am Samstag, den 19. Oktober, gegen 9 Uhr die Besetzung eines nun schon länger leerstehenden Hauses in der Langewiesener Straße 17 bekannt gegeben. Die „Lange 17“ soll sozialen Wohnraum bieten, aber vor allem ein Freiraum für Kultur und Politik in Ilmenau schaffen.

Die Eingangstür ist weit geöffnet, im Haus herrscht reges Treiben, es ist viel zu tun! Vor dem Haus steht eine lange Tafel mit Informationen für Passant*innen und Interessierte. Nicht nur Kuchen und Kaffee laden zum Verweilen ein – auch das Wetter meint es gut mit den Besetzer*innen und ihren Unterstützer*innen vor dem Haus: Die Sonne strahlt, der Wind verteilt die bereitge­legten Flyer – es herrscht gute Stimmung. Auch der erste Kontakt mit zwei Streifenpolizisten beunruhigt die Besetzer*innen nicht, ihnen wird „maximales Gelingen“ gewünscht, die Beamten sind schnell verschwunden – dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl zurück. Eine Hausbesetzung ohne Polizeieinsatz? In Thüringen nach der gewaltvollen Räumung des Besetzen Hauses 2009 in Erfurt nicht denkbar. Dennoch bleibt die Hoffnung am nächsten Tag ein erstes öffentliches Treffen im neuen Haus zu veranstalten, zu dem sich über Möglichkeiten der Nutzung ausgetauscht werden könnte.

Bis zum Nachmittag werden alle Nachbar*innen persönlich angesprochen: Die Besetzer*innen stellen sich und ihr Anliegen vor – die Reaktionen sind fast ausschließlich positiv. Die Aktion erhält vielfältige Unterstützung: Es gibt warmes Essen quasi von „nebenan“, viele Menschen zeigen sich solidarisch, fragen nach und bieten ihre Hilfe bspw. für den Aufbau an. Mitunter hält unmittelbar vor dem Haus ein Auto und es wird sich neugierig erkundigt, was passiert. „Weitermachen!“ heißt ein ermunternder Zuruf, die Initiative der Besetzer*innen hat wohl einen Nerv getroffen. Auch im Internet sind diverse Solidaritätsbekundungen zu finden.

Dennoch ist gegen 16:30 Schluss mit guter Laune – die Polizei rücke im Großaufgebot an. Kurze Zeit später er­scheint eine Delegation geballter Autorität und Zuständigkeit: Ordnungsamtsleiter, Hausverwaltungsvertreter, Bürgermeister und Oberpolizist leiten das Ende der Besetzung ein. Das Haus sei baufällig, die Nutzung zur Gefahrenabwehr untersagt. Auch die private Eigentümerin, nicht in Il­menau ansässig, wurde informiert und spricht den Be­set­zer*innen mittels Hausverwaltung ein Hausverbot aus. 10 … naja, nach zähem Drängen sind es doch 15 Minuten, die das Zeitmaß angeben, wann das Haus geräumt sein soll. Erst nachdem Bürgermeister Tischer den Besetzer*innen vor Ort auch schriftlich zusichert, dass es zu Verhandlungen mit der Stadt über die Anliegen der Aktion geben wird, stimmen die Besetzer*innen zu und verlassen das Haus.

Die „Lange 17“ ist am späten Nachmittag schon wieder Geschichte – angeblich solle das Gebäude bald abgerissen werden, Pläne für die Wiederbebauung des Grundstücks gäbe es ebenfalls bereits. Sicher scheint vorerst: Ein weiteres Mal wird ein leerstehendes Haus auch in Zukunft ein solches bleiben. Und draußen stehen die, denen es nicht gehört, aber die es brauchen.

Solidarität mit Kämpfen um Freiräume!

Infoladen Sabotnik: http://sabotnik.blogsport.de/2013/10/20/ein-ereignisreicher-tag-in-ilmenau/

Video: Ihre freundlichen Hausbesetzer*innen von nebenan

Die Eingangstür ist für die ankommenden Besetzer*innen und Unterstützer*innen weit geöffnet. In einem Haus im südthüringischen Ilmenau herrscht Samstag früh um 9 Uhr reges Treiben. Vor dem Haus der Langewiesener Straße 17 steht ein langer Tisch mit Informationen für Passant*innen und Interessierte. Nicht nur Kuchen und Kaffee laden zum Verweilen ein, auch das Wetter meint es gut mit den Besetzer*innen. Die Sonne strahlt, der Wind verteilt die bereit gelegten Flyer. An diesem 19. Oktober 2013 herrscht gute Stimmung. Die nun schon länger leerstehende „Lange 17“ soll sozialen Wohnraum bieten, aber vor allem ein Freiraum für Kultur und Politik in Ilmenau schaffen.

Der erste Kontakt mit zwei Streifenpolizisten beunruhigt die Besetzer*innen nicht. Ihnen wird „maximales Gelingen“ gewünscht. Die Beamten sind schnell verschwunden, dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl zurück. Eine Hausbesetzung ohne Polizeieinsatz? In Thüringen nach der gewaltsamen Räumung des Besetzen Hauses 2009 in Erfurt nicht denkbar. Dennoch bleibt die Hoffnung am nächsten Tag ein erstes öffentliches Treffen im neuen Haus zu veranstalten, zu dem sich über Möglichkeiten der Nutzung ausgetauscht werden könnte.

Bis zum Nachmittag werden alle anwesenden Nachbar*innen persönlich angesprochen. Die Besetzer*innen klingeln an den Türen und stellen sich und ihr Anliegen vor. Die Reaktionen sind fast ausschließlich positiv, die Aktion erhält vielfältige Unterstützung. Es gibt warmes Essen quasi von „nebenan“. Viele Menschen zeigen sich solidarisch, fragen nach und bieten ihre Hilfe für den Aufbau an. Mitunter hält unmittelbar vor dem Haus ein Auto und es wird sich neugierig erkundigt, was hier passiert. „Weitermachen!“ heißt ein ermunternder Zuruf, die Initiative der Besetzer*innen hat wohl einen Nerv getroffen. Auch im Internet sind diverse Solidaritätsbekundungen zu finden.

Dennoch ist gegen 16:30 Uhr Schluss mit guter Laune. Die Polizei rückt im Großaufgebot an. Kurze Zeit später erscheint eine Delegation geballter Autorität und Zuständigkeit. Ordnungsamtsleiter, Hausverwaltungsvertreter, Bürgermeister und Oberpolizist leiten das Ende der Besetzung ein. Das Haus sei baufällig, die Nutzung zur Gefahrenabwehr untersagt. Auch die private Eigentümerin, nicht in Ilmenau ansässig, ist informiert und spricht den Besetzer*innen mittels Hausverwaltung ein Hausverbot aus. Erst 10 Minuten, nach zähem Drängen sind es doch 15 Minuten, die das Zeitmaß angeben, wann das Haus geräumt sein soll. Erst nachdem Bürgermeister Tischer den Besetzer*innen vor Ort auch schriftlich zusichert, dass es zu Verhandlungen mit der Stadt über die Anliegen der Aktion geben wird, stimmen die Besetzer*innen zu und verlassen das Haus.

Doch endet so der Tag nicht ganz abrupt. Gegen 19 Uhr startet eine spontan angemeldete Demonstration durch die Ilmenauer Innenstadt, um auf die Geschehnisse aufmerksam zu machen. Die Forderungen nach Wohnraum und sozialen Freiräumen werden lautstark auf die Straße getragen. So streifen etwa 40 Menschen durch die Dunkelheit, mit Transparenten, die kurz zuvor noch das besetzte Haus schmückten.

So ist die „Lange 17“ am Abend schon wieder Geschichte. Nach Angaben des Bürgermeister Tischer soll das Gebäude bald abgerissen werden. Pläne für die Wiederbebauung des Grundstücks gäbe es ebenfalls bereits. Sicher scheint vorerst: Ein weiteres Mal wird ein leerstehendes Haus auch in Zukunft ein solches bleiben. Und draußen stehen die, denen es nicht gehört, aber die es gut gebrauchen könnten.

Filmpiraten (mit Video hinter dem Link): http://www.filmpiraten.org/2013/10/video-ihre-freundlichen-hausbesetzerinnen-von-nebenan/

Hausbesetzer in Ilmenau fordern sozialen Wohnraum

Ilmenau (Ilmkreis). Eine Gruppe junger Leute hat am Samstagvormittag ein leer stehendes Haus in der Langewiesener Straße in Ilmenau besetzt.

Wie ein Sprecher der Initiative unserer Zeitung erklärte, wolle man mit der Besetzung des Hauses für sozialen Wohnraum eintreten und gleichzeitig kulturelle Projekte umsetzen. "Wir sind keine Chaoten", stellte er klar - im Gegenteil: Die jungen Leute bezeichnen ihre Aktion ausdrücklich als "Instandbesetzung", weil sie das herunterkommene Mehrfamilienhaus entrümpeln und säubern wollen.

Man wolle auch ein Zeichen setzen, dass Häuser nicht als Spekulationsobjekte gehandelt werden, sondern als bezahlbaren Wohnraum, so der Sprecher.

Nach Angaben der Initiatoren handelt es sich bei den Besitzern der Immobilie in Ilmenau um eine Erbengemeinschaft. Seit der Besetzung des Hauses versuche man Kontakt aufzunehmen, hieß es. Anwohner habe man mit Handzetteln über das Anliegen der "Lange 17" informiert, wie sich die Gemeinschaft nennt. Am Sonntag soll eine erste öffentliche Veranstaltung stattfinden.

TA: http://ilmenau.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/leben/detail/-/specific/Hausbesetzer-in-Ilmenau-fordern-sozialen-Wohnraum-1519327759

Hausbesetzer räumen Gebäude in Ilmenau nach Gesprächen mit Polizei und Stadtverwaltung

Ilmenau (Ilmkreis). Das am Samstag von jungen Leuten in der Langewiesener Straße 17 besetzte Haus ist inzwischen geräumt worden.

Wie die Initiatoren der Gruppe "Lange 17" mitteilten, haben die Hausbesitzer das Gebäude nach Gesprächen mit der Polizei und Ilmenaus Bürgermeister Kay Tischer (SPD) freiwillig verlassen. Das Haus sei stark von Schwamm befallen und werde überdies in den nächsten Tagen abgerissen, hieß es. Bürgermeister Kay Tischer war am Sonntag nicht für unserer Zeitung erreichbar.

Nach Angaben der Hausbesetzer haben beide Seiten ein Gespräch mit der Stadtverwaltung vereinbart. Die Besetzer fordern mehr sozialen Wohnraum und die Möglichkeit einer alternativen Begegnungsstätte. Bürgermeister Tischer sicherte Unterstützung zu, allerdings "vorbehaltlich der tatsächlichen Möglichkeiten", ist in einem von ihm unterschriebenen Papier im Internet zu lesen. Die Authentizität des Schreibens konnte unsere Zeitung bislang nicht prüfen.

TA: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Hausbesetzer-raeumen-Gebaeude-in-Ilmenau-nach-Gespraechen-mit-Polizei-und-Stadtv-505703740
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