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Friedrichroda: Preis für Ignoranz verliehen

Eintragsdatum: 2013-11-08Quelle: Antifa-Bündnis Gotha

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe zur Kritik des Volkstrauertages und der deutschen Gedenkpolitik fand am vergangenen Mittwoch in Friedrichroda die Verleihung des Preises „Goldener Scheißhaufen – Preis für 10 Jahre Ignoranz und Akzeptanz von Naziaufmärschen, NS-Verharmlosung und Menschenhass“ statt, mit der gegen den Umgang der Stadt Friedrichroda mit dem seit 10 Jahren zum Volkstrauertag stattfindenden Naziaufmarsch protestiert werden sollte. Wir dokumentieren im Folgenden den Bericht des Antifa-Bündnisses Gotha.

Friedrichroda: Preis für Ignoranz verliehen

Am Mittwochmorgen gegen 10 Uhr versammelten sich in der Fußgängerzone im Westthüringischen Friedrichroda etwa ein dutzend Antifaschistinnen und Antifaschisten vom Antifa-Bündnis Gotha vor der örtlichen Sparkasse. Sie kamen um den Einwohnerinnen und Einwohnern von Friedrichroda einen Preis zu überreichen. Der Preis, eine Plastik aus Pappe und Bauschaum, trägt den Titel „Goldener Scheißhaufen – Preis für 10 Jahre Ignoranz und Akzeptanz von Naziaufmärschen, NS-Verharmlosung und Menschenhass“. Mit der satirische Aktion wollten die Antifaschistinnen und Antifaschisten in provokanter Weise gegen den Umgang der Stadt Friedrichroda mit dem seit 10 Jahren zum Volkstrauertag stattfindenden Naziaufmarsch protestieren.

Die nicht gerade zahlreich in dieser toten Innenstadt anwesende Bevölkerung ließ sich vom seltenen Anblick der Antifa-Kundgebung nur unwesentlich beim Einkaufen stören, steuerte mit einer Mischung aus Apathie und verhaltener Wut durch die Straßen. Nur die bereits bekannte Kameraderie aus dem örtlichen Blumenladen ließ sich auf ein paar Pöbeleien blicken.

Die Jahr für Jahr praktizierte Ignoranz der Stadt gegenüber den Nazis, ihrem Aufmarsch und der betriebenen NS-Verharmlosung deutet darauf hin, dass die Nazis der Stadt gar nicht unwillkommen sind. Schließlich teilt man zum Volkstrauertag ein gemeinsames Anliegen. Die deutsche Mehrheitspolitik wie die Nazis gedenken an diesem Tag den Mördern von Millionen Menschen während der deutschen Barbarei und dem Vernichtungskrieg. Im unterschiedslosen Gedenken an alle sogenannten Kriegstoten soll die Grenze zwischen Opfern und Tätern verwischt und ein Schlussstrich unter die Geschichte gezogen werden.

Gegen eine solche NS-verharmlosende Politik, egal ob sie von den Nazis oder Stadt Friedrichroda betrieben wird, demonstriert auch in diesem Jahr wieder das Antifa-Bündnis Gotha mit einer antifaschistischen Demonstration am 17. November in Friedrichroda. Start ist 15.30 Uhr am Bahnhof. Aufruf und weitere Infos gibt’s auf der Homepage des Bündnisses: www.volkstrauertag-abschaffen.tk Am heutigen Mittwoch geht auch die im Rahmen der diesjährigen Aktivitäten stattfindende Veranstaltungsreihe weiter. Infos auf oben genannter Seite.

Im Folgenden dokumentieren wir die vor Ort verlesene, verteilte und verklebte Laudatio:

Laudatio zur Preisverleihung des
GOLDENEN SCHEIßHAUFENS
an die Eingeborenen von Friedrichroda

Liebe Eingeborene,

heute ist Ihr großer Tag gekommen. Wahrscheinlich haben die Wenigsten von Ihnen schonmal etwas gewonnen, was sie wirklich verdient haben. Mit dem heutigen Tag, das darf ich Ihnen versprechen, kommt die Wende! Keine Angst, es ist keine Wende wie 1989, die die Wendeverlierer hervorgebracht hat, zu denen viele von Ihnen sich wohl heute zählen müssen. Keine Wende, die die Unsicherheit der gesellschaftlichen Ordnungsverhältnisse hervorbringt, wie die Arbeitslosigkeit, die die Marktwirtschaft gebracht hat und übrigens nicht die Ausländer. Was wir Ihnen heute bringen, ist eine Würdigung, die Ihnen keiner nehmen kann, wie das Geld für den Mallorca-Urlaub und die Ihnen keiner wegessen kann, wie die Bananen um die vor 25 Jahren noch geweint wurde. Wir bringen Ihnen heute den Goldenenen Scheißhaufen, die Auszeichnung für 10 Jahre Ignoranz und Akzeptanz von Naziaufmärschen, NS-Verharmlosung und Menschenhass.

Diese Auszeichnung haben Sie sich redlich verdient, liebe Eingeborene. Sie haben 10 Jahre lang geschwiegen, zugeschaut, mitgemacht als die Neonazis um NPD und Kameradschaften zum Volkstrauertag mit Fackeln durch diese Stadt zogen und die Mörder von Millionen Menschen verherrlichten. Die Stadtoberen haben es Ihnen ja schließlich vorgemacht und im Land der Mitläufer tut man, was einem gesagt wird, seine Pflicht – auch wenn sie einem nicht offen gesagt wird. Der Volkstrauertag, wie er überall begangen wird, gehört zum Deutschtum der Nazis wie die Ausländerfeindlichkeit und der Antisemitismus. An diesem Tag kommt zusammen, was zusammen gehört und was zusammen bekämpft werden muss: Deutschland und seine Nazis.

In diesen Tagen treten die Deutschen immer wieder aufs Neue den Beweis für die historisch erwiesene Tatsache an, dass in Deutschland nichts harmlos ist – nicht mal die Mahnung gegen den Krieg und schon gar nicht das Gedenken an die Kriegstoten. Im gemeinsamen Gedenken an die Kriegstoten aller Weltkriege, an Opfer vermeintlicher und wirklicher Diktaturen sollen die Unterschiede zwischen den Opfergruppen eingeebnet werden. Die von der deutschen Barbarei Ermordeten und die Widerstandskämpfer gegen diese werden mit den Mördern in das selbe Gedenken einbegriffen und am Ende dient dieser ganze Quatsch vor allem einem Zweck: Der Rehabilitierung der deutschen Vernichtungstruppen durch die Darstellung des Zweiten Weltkriegs als einem Krieg neben anderen und durch die Verharmlosung des Holocaust; als ob die grundlose Vernichtung des europäischen Judentums nur ein Gewaltexzess unter vielen war, der im Krieg eben vorkommt – wie Hungersnöte und Seuchen. Am Ende sind die deutschen Mörder und ihre Nachkommen wieder das, was sie schon immer sein wollten: Opfer. Opfer des Krieges, Opfer des Führers und seiner Clique.

Wolfgang Pohrt, der Biograph des deutschen Massenbewusstseins, brachte es auf den Satz, dass ein Deutscher eben keine schlechte Laune oder eigene Schlechtigkeit kenne, sondern nur eine schlechte Welt. Alle haben sich gegen die Deutschen verschworen: die Bolschewisten, die Juden, die Amerikaner und die Asylbewerber sowieso. Ein Volk von ehrlich arbeitenden Opfern – so sehen sich die Deutschen am liebsten. Die Deutschen langen nur zu, wenn sie bedroht werden und bedroht werden sie bekanntlich immer. Davon will man auch im beschaulichen Friedrichroda nicht abweichen. Hier steht die alte Volksgemeinschaft zusammen gegen Aufklärung und Emanzipation. Deswegen stört sich keiner daran, dass hier Neonazis jedes Jahr aufmarschieren und der deutschen Mordgemeinschaft von damals gedenken. Weil sich hier nichts geändert hat, die Deutschen immer noch vor allem in Krisenzeiten eines sind: eine Mordkollektiv im Wartestand.

Herzlichen Glückwunsch zum Preis, wir danken für gar nichts!

Quelle: http://de.indymedia.org/2013/11/349950.shtml








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