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Ilmenau: Die Heimkehr der Ex-Besetzer_innen

Eintragsdatum: 2013-11-28Quelle: Antifa Arnstadt-Ilmenau

Auf ihrem Blog veröffentlichten die Ex-Besetzer_innen von Ilmenau nun das Gesprächsprotokoll von den Verhandlungen mit der Stadt – ein Dokument der Selbstaufgabe. Reinhard Schramm, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde bringt die Sachlage der Besetzung auf den Punkt. Die Initiative sitze im „falschen Boot“, habe die falschen Verbündeten. Diese Verbündeten sind – besser: waren – wir.

Eigentlich sollte es beim Gespräch mit der Stadt am 24. Oktober um mögliche Alternativobjekte nach der Räumung der Langewiesener Straße 17 gehen. In Wahrheit, das ist dem kürzlich veröffentlichten Protokoll über das Gespräch zu entnehmen, ging es darum nur am Rande. Viel wichtiger war den Beteiligten die Denunziation der autonomen Linken, hier namentlich der berüchtigten Hausbesetzer_innen und der Antifa.

Nicht nur Bürgermeister Tischer und Reinhard Schramm schlugen verbal auf die nicht anwesende autonome Linke ein und warnten vor falschen Verbündeten, „Extremisten“ und „Hausbesetzertouristen“, sondern auch die beiden Vertreter_innen der „Lange 17“ widersprachen nicht, sondern denunzierten eifrig mit. So etwa Martin A., der den Anteil nicht in Ilmenau wohnender Unterstützer_innen der ihm bekannten Wahrheit zuwider auf 20-30 Prozent herunterlog und davon faselte, diese Leute nicht von der Aktion verwiesen zu haben, da sie sich friedlich verhielten. Dieser Martin erklärte, Hausbesetzungen seien kein richtiges Mittel, um Raum für Projekte zu schaffen. Hausbesetzungen sind für Martin symbolische Aktionen, um auf Missstände hinzuweisen und sich in Verhandlungen mit der Stadt hineinzupressen. Mit „Extremisten“ habe man nichts am Hut, ein „Extremistenhotel“ sei nicht geplant. Die Antifa sei nur dazu da, die Aufmerksamkeit für die eigene Sache zu steigern, wusste Christina D. und deren Inhalte seien „zum Teil nicht gut“, sie seien „Müll“ sekundierte ihr Tischer. Dieser spricht hier auch von „Operation Holzauge“ und spielt wahrscheinlich auf eine von der Wehrmacht errichtete Wetterstation auf Grönland an. Um es auf dieses Szenario zu bringen: Die Nationalsozialisten, die anfangs unentdeckt diese Station aufbauten, sind heute die extremistischen Hausbesetzer_innen, die sich in die Initiative einschleichen. Die Wetterstation wurde, nachdem es augeflogen war, von amerikanischen Bombern angegriffen, was in Tischers Weltbild wohl heute die Polizei ist, die dafür sorgen müsste, die „Extremisten“ wieder aus dem Haus zu bekommen. Auf solche „Rollenspiele“ sollen sich die Ex-Besetzer_innen nicht einlassen. Dass Tischer für den Topos der konspirativen Vereinnahmung nicht etwa das berühmte trojanische Pferd bemüht, sondern eine Operation der Nazis, zeigt dessen eigenes Geschichtsbild und die bei Deutschen so häufige Verkehrung der eigentlichen Täter (Polizei, Stadtverwaltung) zu legitimen Ordnungsmächten gegen die vermeintliche äußere Bedrohung (wahlweise Extremisten, Ausländer oder andere Außenseiter).

Am Ende war die Harmonie ins Gespräch zurückgekehrt. Die eingeforderte Distanzierung von der Antifa und den „extremistischen“ Hausbesetzer_innen erfolgte widerstandslos, Tischer konnte durch seinen Vergleich von Hausbesetzer_innen und Nationalsozialisten die Geschichte umdeut(sch)en und die jüdische Landesgemeinde gab keine Bedenken zu Protokoll. Die Ex-Besetzer_innen hatten ihre Unterstützer_innen ohne große Diskussion denunziert und die seltsam verhalten anmutende Erklärung vom 23. Oktober macht jetzt Sinn. Das Kalkül ist das Folgende: Die Unterstützer_innen aus der radikalen Linken sollen auf der einen Seite beschwichtigt werden, um deren Ressourcen nicht zu verlieren, auf der anderen Seite werden sie gegenüber der Stadt und der bürgerlichen Öffentlichkeit denunziert, um sich eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen. Vergessen ist heute der Anspruch, die Gesellschaft, die abschiebt, ausbeutet, Mensch und Natur zerstört, zu kritisieren und abzuschaffen. Für eine Audienz mit den lokalen Verfechtern dieser menschenfeindlichen Ordnung haben die ehemaligen Besetzer_innen diese Ziele (und ihre ehemaligen Genoss_innen) verraten, von denen sie wohl selber nicht genau wussten, warum sie einmal für sie eingetreten sind.

Die Hausbesetzer_innen sind in den Schoß der Herrschenden dieser Kackstadt zurückgekehrt. Der Zusammenhalt zwischen den wirklichen Befürwortern eines alternativen Zentrums ist zerstört und der Weg für den nächsten konformistischen Lückenfüller in Sachen Kulturpolitik ist frei. Lange haben wir uns mit dieser Entscheidung schwer getan, haben gehofft und diskutiert. Nun müssen wir konstatieren: Dieses Projekt verdient die Unterstützung emanzipatorischer Kräfte nicht. Wir rufen unsere Genossinnen und Genossen in Thüringen und anderswo auf, die Zusammenarbeit mit der Initiative „Lange 17“ einzustellen.

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