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Suhl: Proteste in unmittelbarer Nähe zum vierten SÜGIDA-Aufmarsch

Eintragsdatum: 2015-02-05Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Mit etwa 500 Teilnehmern hat der SÜGIDA-Aufmarsch am 02. Februar entsprechend der bisherigen Tendenz weiter an Teilnehmern eingebüßt. Auch bei den Gegenprotesten sind sinkende Teilnehmerzahlen zu verzeichnen. Trotzdem ist es diesmal gelungen, die SÜGIDA-Kundgebung in hör- und sichtweite und merklich zum Ärgernis deren Teilnehmer zu stören.

Protest

Wie bereits die Wochen davor, fand auch an diesem Montag ab 18 Uhr die bürgerliche Gegenkundgebung am Marktplatz statt, die diesmal etwa 300 Teilnehmer zählte. Von dieser Kundgebung setzten sich frühzeitig Menschen in Richtung Congreß-Centrum-Suhl (CCS) in Bewegung. Nicht etwa, um dem zeitgleich dort stattfindenden Bürgerforum der CDU beizuwohnen, sondern um sich davor, also direkt gegenüber des Platzes der deutschen Einheit, dem Auftaktort von SÜGIDA, zu versammeln und die Kundgebung der Rassisten aus unmittelbarer Nähe zu stören. Dort brachten die etwa 150 spontan zusammengekommenen Gegendemonstranten ihren Unmut mit „Nie wieder Deutschland“-Rufen und anderen Parolen zum Ausdruck und verweilten vor dem CCS, bis sich der SÜGIDA-Marsch in Bewegung setzte. Auch eine Trommelgruppe war vor Ort. Sie fing pünktlich an zu trommeln, als man gegenüber auf dem Platz der deutschen Einheit anfing alle drei Strophen des Deutschlandliedes anzustimmen. So vermochte es das manchmal vielleicht auch etwas nervige Trommeln den Gesang, oder besser: die Gesangsversuche der stolzen Deutschen erfolgreich und sichtlich zu deren Ärgernis zu übertönen.

Naziaufmarsch

Für die Organisatoren der SÜGIDA-Märsche scheint es schwierig geworden zu sein, Redner zu finden, die es vermögen ihren diffusen Rassismus in allgemein verständliche Worte zu fassen. So wurden die Teilnehmer, wie bereits die Woche davor, mit Videos über Leinwand beschallt, welche hin und wieder vom Ansgar Aryan-Geschäftsführer Patrick Schröder kommentiert wurden. Des Weiteren wurde ein Redner der AfD angekündigt. Von einem solchen war allerdings nichts zu sehen. Vielleicht war damit aber auch der ehemalige Kreisvorsitzende der AfD-Südthüringen Heiko Bernardy gemeint. Dieser ist allerdings in Folge seiner Rede der letzten Woche kein AfD-Mitglied mehr. Seine dieswöchentliche Rede fiel erfreulicher Weise auch kürzer aus als letzte Woche und beschränkte sich im Wesentlichen auf die Darstellung der Ereignisse um seine Person, wie sie sich die Tage zuvor überschlagen hatten. Den Abschluss der Auftaktkundgebung bildete das NPD-Landesvorstandsmitglied aus Greiz, David Köckert, der schwer bemüht war, gegen den lautstarken Gegenprotest anzureden. Seine Stimme überschlug sich regelrecht und zwischenzeitlich glichen seine Ausführungen eher einem cholerischen Anfall als einem Redebeitrag. Danach startete auch diese Woche der Demonstrationszug von SÜGIDA nicht wie geplant um 20 Uhr, sondern etwa eine halbe Stunde verfrüht, zog aber nicht, wie bisher, durch die Suhler Innenstadt, sondern Richtung Busbahnhof.

Bürgerforum der CDU

Parallel zu den Gegenprotesten fand im CCS das Bürgerforum der CDU statt. Ca. 100 "besorgte Bürger" und Interessierte folgten dem Aufruf und hatten vor Ort die Möglichkeit, Fragen an das Podium zu stellen. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Für Antworten und gegen jede Form des Extremismus“. Anliegen der CDU war es, sich von den von sogenannten Linksextremisten besuchten und mitorganisierten Gegenprotesten abzugrenzen ohne sich vorwerfen lassen zu können, den SÜGIDA-Aufmärschen tatenlos gegenüberzustehen. Dass man die Gegenproteste nicht unterstützt, mag auch daran liegen, dass man in den Teilnehmern von SÜGIDA, den so oft beschworenen "besorgten Bürgern", auch die eigene potentielle Wählerschaft erkennt. So bot man eben jenen lieber ein Podium, um ihre Ressentiments zu artikulieren. Die "besorgten Bürger" nutzten die Gelegenheit ihren Volksvertretern, bzw. heute heißt das in diesem Milieu "Volksverrätern", ein Gemisch aus Antisemitismus ("Juden und Amerikaner tragen die Schuld an allen Kriegen in der Welt"), Homophobie ("Kinder werden in der Schule gehänselt, weil Mama und Papa Hans und Peter heißen") und dem obligatorischen Rassismus an den Kopf zu werfen. Diese reagierten kühl und signalisierten durch ihren eigenen Nützlichkeitsrassismus Entgegenkommen. Dieser "Dialog", an dem sich u.a. der Gründungsbeisteher der Kameradschaft Zella-Mehlis, Hans-Peter Conrad, ausufernd beteiligte, war kein Beitrag zur Aufklärung. Seine einzige Funktion bestand darin, Menschenfeinden ein sozial verträglicheres Ventil zu bieten, als der durch Suhl ziehende Mob es darstellt.

Auch nächste Woche soll es wieder ein Bürgerforum geben, bei dem auch Bodo Ramelow zu Gast sein wird. Diesmal nicht organisiert von der CDU, sondern von einer Initiative um den ehemaligen Zella-Mehliser Stadtrat Karl Nehring. Auch diese Veranstaltung steht ganz im Zeichen des Dialogs. Man scheint auch hier nicht verstanden zu haben, dass Rassismus sich nicht auf einer empirischen Basis gründet und ihm also mit einer Aufklärung über die Faktenlage nicht beizukommen ist. Von diesem Standpunkt ist von weiteren Dialogen mit Rassisten, Schwulenhassern und Antisemiten dringend abzuraten.

Fazit

Obwohl die Teilnehmerzahl bei SÜGIDA in dieser Woche wesentlich geringer war, als noch die Wochen zuvor, sind auch diese Woche wieder hunderte Rassisten durch Suhl marschiert. Der Anteil an organisierten Nazis wird mit schrumpfender Teilnehmerzahl immer größer und das Kräfteverhältnis gegenüber den Gegendemonstranten ist immer noch bedrohlich. Doch diese Woche ist es gelungen, den reibungslosen Ablauf von SÜGIDA zumindest während der Auftaktkundgebung zu stören. Ein kleiner Trost – und ein Anreiz für die nächsten Woche. Es gilt auch weiterhin, das gemeinschaftsstiftende Erfolgserlebnis des durch Suhl marschierenden rassistischen Mobs zu stören und zur Farce zu machen, damit wir uns alsbald die Montagabende vielleicht wieder erfreulicher Dingen widmen können.

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