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Suhl: Auch der neunte und vorerst letzte SÜGIDA-Marsch verlief nicht ungestört

Eintragsdatum: 2015-03-18Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Am vergangenen Montag, den 16. März, fand in Suhl der vorerst letzte SÜGIDA-Aufmarsch statt – erneut begleitet von Gegenprotesten. Diesmal haben sich 50–80 Antifaschisten spontan auf der Friedrich-König-Straße den Nazis entgegen gestellt.

Naziaufmarsch

Nachdem die Teilnehmerzahlen bei SÜGIDA in den letzten Wochen kontinuierlich zurückgegangen sind, fanden sich diesen Montag noch einmal etwa 400 Nazis und andere Rassisten auf dem Platz der Deutschen Einheit zusammen, um dem letzten SÜGIDA-Aufmarsch beizuwohnen. Auch die Organisatoren fuhren für Suhl ein letztes Mal alles an Rednern auf, was sie zu bieten hatten. Zum großen Finale sprachen Tommy Frenck, Patrick Schröder, ein gewisser als alter Herr aus Hessen angekündigter Peter, Heiko Bernardy, der wegen seinem ersten Auftritt bei SÜGIDA seine Anstellung als Mitarbeiter der AfD-Abgeordneten Corinna Herold und den Posten des Kreisvorsitzenden der AfD-Südthüringen verlor, und – natürlich – Schreihals David Köckert. Stargast des Abends war Karl Richter aus Bayern, der – das unterschied ihn von den restlichen Rednern des Tages und der Wochen davor – das erste Mal bei SÜGIDA sprach. Das NPD-Mitglied Karl Richter sitzt seit 2008 für die „Bürgerinitiative Ausländerstopp München“ im Münchener Stadtrat und ließ bereits bei seiner Vereidigung als Stadtratsmitglied keinen Zweifel daran, wes Geistes Kind er ist, als er dort die rechte Hand zum Hitlergruß hob. Das Podium auf dem Platz der Deutschen Einheit nutzte er, um unter Beschwörung der Volksgemeinschaft und der Betitelung des Aufmarsches als Wunder dem Mob ordentlich einzuheizen. Doch nicht nur inhaltlich, sondern auch bezüglich seines Tonfalls und seiner Gestik rief seine Rede unliebsame Assoziationen hervor.

Den Abschluss der Auftaktkundgebung bildete wie immer das Singen des Deutschlandliedes in allen drei Strophen, bevor sich die Ankündigung, diesmal eine „komplett neue Route“ zu laufen, bestätigte. Zum ersten Mal nach über zwei Monaten zogen die Sügidisten vom Platz der Deutschen Einheit nicht nach links ab – dort versperrten Antifaschisten den Weg –, sondern nach rechts in Richtung Lauterbogencenter über den Steinweg, die Bahnhofstraße, und schließlich von der Dr.-Theo-Neubauer-Straße um das Congess-Centrum-Suhl (CCS) zurück auf den Platz der deutschen Einheit, wo das offene Mikrofon eröffnet wurde.

Gegenproteste

Auf dem Suhler Markt fanden sich diese Woche etwa 100–150 Menschen zur Kundgebung von NoSügida zusammen. Dort eröffnete Elke Pudszuhn (VVN-BdA) die Veranstaltung. Sie erinnerte an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und gedachte, anlässlich der zeitlichen Nähe zum Jahrestag, an die im Kampf gegen den faschistischen Kapp-Putsch vor 95 Jahren gefallenen März-Kämpfer. Es sprach neben anderen außerdem eine Vertreterin des NoThügida-Bündnisses, bevor sich gegen 18:45 Uhr der wöchentliche Demonstrationszug vom Markt in Richtung CCS in Bewegung setzte.

Parallel dazu sammelten sich allmählich einige Antifaschisten, um einen spontanen Protest gegen SÜGIDA zu koordinieren und schließlich gemeinsam zur Friedrich-König-Straße auf Höhe des Cineplex zu laufen, um dort den Sügida-Marsch zu stören und auf der bis dato immer gelaufenen Route zu blockieren. Die die komplette vierspurige Straße einnehmende Blockade wurde eiligst von Polizisten umzingelt und übertönte von dort aus den Auftakt des Marsches der Sügidisten, die sich in eine andere Richtung in Bewegung setzten – ob so geplant oder durch die Blockade dazu gezwungen, ist unklar, wobei das vergleichsweise gelassene Vorgehen der Polizei auf ersteres schließen lässt. Man verweilte hier, bis der Aufmarsch in unmittelbarer Nähe durch die Dr.-Theo-Neubauer-Straße vorbei zog, um noch einmal lautstarken Protest zu äußern.

Fazit

Zum letzten Aufmarsch vermochte man es auf Seiten von SÜGIDA noch einmal ein paar Leute mehr zu mobilisieren. An die Anfangserfolge konnte man allerdings bei weitem nicht anknüpfen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche rassistischen Mobilmachungen Ausdruck eines ernstzunehmenden gesellschaftlichen Problems sind und nicht zuletzt für Flüchtlinge vor Ort eine akute Gefahr darstellen. Deswegen gilt es auch weiterhin sich derartigen Aufmärschen in den Weg zu stellen und so einen adäquaten Umgang mit Rassisten zu pflegen. Wir sind es indes leid, darauf hinzuweisen, dass man Rassismus durch Dialogbereitschaft nur diskutabel macht – und tuen es aus gegebenem Anlass trotzdem erneut –, sodenn es auch nur aus einer privilegierten Position als anerkannter Volksdeutscher überhaupt möglich ist, in einen Dialog mit Rassisten zu treten, ohne sich der Gefahr für die körperliche Unversehrtheit, die von solchen Menschen ausgeht, auszusetzen und so gleichzeitig diese Gefahr zu relativieren. In der nächsten Woche treffen sich die Rassisten als THÜGIDA in Erfurt wieder. Wohin es danach weiter geht, ist noch unklar.

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