Antifaschistische Gruppen Südthüringen

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Themar: „Wir sind alle Antifa“ - für Deutschland

Eintragsdatum: 2017-08-29Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Der Juli ist vorbei und es kehrt vorerst Ruhe in Südthüringen ein. Das Sommerloch ist nun auch in Themar angekommen, nachdem insgesamt bis zu 7.000 Neonazis an zwei Tagen feiern konnten. Es wird nicht das letzte Event gewesen sein, denn die Wiese für die Nazikonzerte wurde von Frenck die nächsten zehn Jahre gemietet. Wir möchten einen kurzen Blick auf den Gegenprotest werfen, denn es kam schlimmer als befürchtet.

Der Gegenprotest – Die antifaschistische Einheitsfront

An beiden Tagen kündigten Bürgerbündnisse und ein antifaschistischer Arbeitskreis „Themar“ Proteste an. Während beim ersten Konzert noch die Masse der Nazis die Berichterstattung dominierte und es schaffte, die Fassade des „bunten Deutschlands“ etwas zum Wanken zu bringen, konzentrierte sich die Öffentlichkeit zwei Wochen später stärker auf den Protest. Schließlich, das musste man sich eingestehen, hat es am 15. Juli nicht geklappt den guten Ruf von Themar zu retten. Die Massen an Nazis war im Zahlenspiel mit dem Gegenprotest zu enorm. Stattdessen wurde jetzt alles auf den Protest am 27. Juli gesetzt. Noch lauter wollten die Bürger von Themar sein, noch sichtbarer. Da war es ihnen vollkommen egal, wer ihnen dabei hilft um die braunen Flecken von der weißen Weste des Landkreises zu wischen. Selbst die sonst eher verhasste Antifa sollte dabei mitgenommen werden. Es fanden sich schließlich Bilder von Shirts mit „Themar ist bunt“-Aufdruck, dazu ein Sticker „Wir sind alle Antifa“. Dieser Sticker entstand um Vorwürfen, vor allem der CDU gegenüber dem Protest in Themar, der Klüngelei auf Demos mit „Linksextremisten“ entgegen zu wirken. Die CDU Abgeordnete Floßmann soll gegenüber den Themaranern auf einer Infoveranstaltung geäußert haben, sie werde nicht der „Antifa hinterherlaufen". Als Reaktion soll das anwesende Publikum mit Buh-Rufen reagiert haben. Weiter heißt es in dem Bericht: „Dass beim Gegenprotest die Antifa dabei war, dagegen verwehren sich viele im Publikum. 'Wir sind die Antifa' heißt es von einem Gast im Schützenhaus.“ Damit zeigte sich die ganze Absurdität und verbildlichte sich das, wovor wir in unserer Stellungnahme im Vorfeld des 15. Juli gewarnt hatten. Antifaschistische Kritik, wie sie beim AK Themar zu finden war, ging unter, wurde im bunten Volksmob subsumiert und, als wäre es nicht schon schlimm genug, man ließ sich das Label „Antifa“ sogar noch für die eigene Standortkampagne widerspruchslos entwenden. Von „Antifa“ war keine Gesellschaftskritik, nicht mal mehr Militanz auf der Straße übrig, sondern nur noch ein Haufen junger Leute, die nicht mehr als „Gegen Nazis“ zu sein scheinen und sich in der bunten Suppe von Themar verlieren. Der AK Themar soll zwar mittels Redebeitrag versucht haben jenem „bunten Treiben“ eine Kritik entgegenzusetzen, doch wurde diese bewusst oder unbewusst von vielen überhört.

Dass es sich hier bei dem Slogan „Wir sind alle Antifa“ nicht etwa um eine gut gemeinte Solidarisierung mit antifaschistischer und emanzipatorischer Politik handelt, sondern um ein strategisches Manöver um auf der einen Seite mit mehr Menschen in der Presse aufzutauchen und auf der anderen Seite bei der Vereinnahmung „Antifa“ zu entpolitisieren. Das Ganze fand unter Applaus der parlamentarischen Beobachtungsgruppe statt, deren Vertreter seit Jahren nichts anderes machen, als diesen staatstreuen Antifaschismus zu propagieren und Positionen der radikalen Linken zu entkräften. Somit kam es für den Gegenprotest aus unserer Sicht sogar noch schlimmer als befürchtet.

Die Nazis – Schaulaufen und Szenespaltung

Im Nachgang des 15. Juli berichtete bereits thueringenrechtsaussen.net ausführlich über die Organisatoren und die Strukturen im Hintergrund. Generell bleibt festzuhalten, dass die Nazis einen der größten europäischen Anlaufpunkte für die Szene geschaffen haben, wo sich der organisierte Nazikader, Musikgruppen, Kampfsportler und der gemeine Suff-Nazi von nebenan treffen können. Ohne großartige Probleme gelang es ihnen ihre Veranstaltung durchzusetzen. Das Gepfeiffe des Bürgerprotestes wird ihnen dabei lediglich ein gutes Podium geboten haben sich zu profilieren. Während am 15. Juli noch 6000 Nazis kamen, waren es zwei Wochen später „nur“ 1000 Nazis. Aktuell hat sich jedoch ein Konflikt innerhalb der Naziszene entwickelt, der sich gegen die Veranstalter richtet und aktuell effektiveren Schaden anrichtet, als die bisherigen Gegenmaßnahmen von Seiten der Protestestierenden. Einen kurzen Überblicksartikel dazu gibt es hier.

Ausblick – es wird nicht besser

Laut einem ZDF-Bericht hat Tommy Frenck für die nächsten zehn Jahre die Wiese von Bodo Dressel gemietet. So lange das Konzept erfolgreich funktioniert, wird es von den Nazis keinen Rückzieher geben. Der bürgerliche Protest wird sich weiter darauf beschränken in einer inhaltsarmen Einheitsfront für das bessere Deutschland einzustehen und dabei auch in Zukunft mit Hilfe des parteilichen Staatsantifaschismus mobil machen. Mit emanzipatorischen Antifaschismus hat das alles nichts zu tun. Weder die Thüringer Parlamentarier, der Themaraner Bürgermob, noch diejenigen, bei denen „Antifa“ da aufhört, wo man im schwarzen Pulli „Nazis raus“ ruft, leisten irgendeinen Betrag zur Verbesserung des Bestehenden. Wir wollen kein besseres, buntes, weltoffenes oder nazifreies Deutschland. Wir wollen, dass die Verhältnisse, in denen der Mensch ein geknechtetes Wesen ist, in denen Rassismus und Antisemitismus ihre Grundlage finden, überwunden werden. Diesen Weg wollen und können wir nicht mit Rassisten der bürgerlichen Mitte die zwischen verwertbaren und nichtverwertbaren Zuwanderern unterscheiden, mit Antisemiten einer der am Protest beteiligten stalinistischen Partei, mit den „Staatsantifas“ der Landesregierung und somit mit der Anti-Nazi-Einheitsfront begehen. Für das kommende Jahr – eine Wiederholung des Spektakels halten wir für sicher – gilt es zu überlegen ob und wenn ja, wie sich antifaschistische Gesellschaftskritik hier stark machen lässt. Das bedeutet auch, den Frieden mit den „Antifas für Deutschland“ zu brechen und ihren Protest für uns zurückzuweisen.

In diesem Sinne verweisen wir als Einstieg auf die aktuelle Reihe „Was heißt Antifa?“ Teil I und Teil II in der Alerta Südthüringen. Sowie auf unseren Flyer „Deutschland? Nie wieder!“ aus dem Jahr 2015, der nichts von seiner Aktualität verloren hat.

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